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Boreout am Bürotisch

Roger Sutter, 12. August 201626. März 2017

Du bist jung, gut aussehend, hast die meiste Zeit deines Lebens in einer Ausbildung verbracht, einige Jahre Berufserfahrung gesammelt und bist verdammt nochmal ernüchtert über die Inhaltslosigkeit in der Arbeitswelt? Keine Angst du bist nicht allein. Die Generation Y ist mit dir.

Nach deiner Ausbildung kennt deine Motivation keine Grenzen. Die Tätigkeit deiner Organisation erscheint dir absolut sinnvoll und das Thema packt dich. Du möchtest etwas bewegen, konkrete und spürbare Veränderungen herbeiführen. Stattdessen: Arbeitsprozesse der Prozesse willen: Koordinieren! Administrieren! Rapportieren! Wer kennt diese monotonen Inhalte nicht? Egal wie kreativ du Initiative ergreifst, du wirst das Gefühl nicht los, dass deine Bemühungen in der Sahara der Bürokratie versanden.

Warum ist das so?

Komplexe Arbeitsprozesse und Bürokratien dienen dem Management, Organisationen zu kontrollieren. Im besten Fall regeln Arbeitsprozesse den Arbeitsinhalt, indem dadurch eine sinnvolle Abstimmung der Organisationseinheiten stattfindet. In der Regel nehmen jedoch die Arbeitsprozesse Oberhand über die Arbeitsinhalte. Kontrollen werden wegen der Verrechtlichung und Ökonomisierung des Lebens notwendig. Der zügellose Kapitalismus befeuert die Rationalisierung und Monotonisierung der Arbeitsinhalte zusätzlich. Charlie Chaplin‘s Modern Times lässt grüssen.
Das Management hat in der Regel kaum Interesse, an den bürokratischen Strukturen etwas zu ändern. Einerseits hat es die Mühlen der Bürokratie erfolgreich überstanden. Andererseits dient die Bürokratie der Verfestigung von Machtstrukturen, die ihnen nun zugutekommen. Insbesondere junge Arbeitnehmende (Generation Y) sind in solchen Konstrukten am Ende der Nahrungskette und dem Management bloss zudienend. Dieses Muster trifft insbesondere auf grössere Organisationen zu, ganz egal ob Grossbank, Industriekonzern oder Verwaltung: Je grösser die Organisation, desto umfassender die bürokratischen Prozesse.

Und trotzdem: Mit Systemkritik alleine ist es nicht getan. Die Kraft der Veränderung liegt in deinen Händen und es beginnt am Arbeitsplatz. Beweise Mut zur Veränderung. Hinterfrage festgefahrene und dir sinnlos erscheinende Arbeitsprozesse, fordere mehr Arbeitsinhalte und liefere konkrete Verbesserungsvorschläge. Motiviere dein direktes, privates und berufliches Umfeld, es dir gleich zu tun. Überzeuge auch deinen Chef von deinen Ideen.
Gerade junge Arbeitnehmende der Generation Y, welche den Mechanismus des Systems verstanden haben, müssen rebellisch sein. Wir haben den Grossteil der Berufskarriere noch vor uns. Wir können die Veränderungen einleiten und später von einer verbesserten Arbeitswelt profitieren. Wir können die Wirtschaft neu denken, neu leben, weil die Wirtschaft wir Menschen sind und nicht das System! Wir können die Dominanz der ökonomischen Logik in der Arbeitswelt durch konkrete und sinnstiftende Arbeitsinhalte ersetzen. Jetzt!

https://youtu.be/25tb2Btcdfk

Die makement-Kontext Beiträge wiedergeben persönliche Ansichten der jeweiligen Autoren auf aktuelle, wirtschaftspolitische Themen.
Eine Übersicht der Kontext Beiträge findest du hier: Kontext – Beiträge

Quellennachweis
Titelbild: Orson Welles – Der Prozess. www.filmstarts.de

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